eli-lu"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Albert Einstein
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Auf dieser Seite findet ihr ein paar literarische Versuche aus meiner Feder... Vielleicht gefällt euch was!?

Der Zeuge

Ich sitze. Schon seit zwei Wochen habe ich meinen Platz an der U-Bahnstation nicht mehr verlassen. Hunderte Menschen gehen jeden Tag an mir vorbei. Meistens starren sie stur geradeaus und hasten von einem Platz zum anderen, rasch wie der Wind, der mir das Haar zerzaust, wenn eine U-Bahn kommt. Viele nehmen mich gar nicht wahr. Merken nicht, wie ich sie beobachte. Inzwischen kenne ich sie alle. Wenn ich die Augen schließe, kann ich sie sogar riechen. Die erfolgreichen Geschäftsmänner riechen nach Geld, die tüchtigen Sekretärinnen duften nach süßem Parfüm, die frisch verliebten Pärchen nach Zuckerwatte und vielleicht ein bisschen nach Schweiß. Ein wenig nach alten Weihnachtsplätzchen und Kräutertee riechen die gemütlichen Rentner, die armen Schlucker von der Straße dagegen nach Alkohol und Urin. Am liebsten mag ich aber die Kinder, die mich mit ihren großen unschuldigen Augen ansehen. Sie sind diejenigen, die mich wirklich so sehen, wie ich bin. Manchmal setzen sie sich neben mich, reden mit mir oder bringen mir sogar etwas zu Essen mit. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich vor Hunger schon gestorben. Manche haben auch Angst vor mir und drücken sich an die schützende Hand der Mutter. Leider bekomme ich hier unten auch ganz andere Szenen zu sehen. Vor ein paar Tagen zum Beispiel sah ich, wie ein paar kahlköpfige Jugendliche einen älteren Herrn mit dunkler Hautfarbe zusammenschlugen. Ich versuchte sie daran zu hindern, doch ich konnte mich nicht von der Stelle rühren. Der Strick, mit dem ich seit einiger Zeit an die Wartebank gefesselt bin, ließ es nicht zu. So musste ich mit ansehen, wie die Täter ihr Opfer blutend am Boden liegen ließen und lachend die Treppe hinauftorkelten. Ich riss und zerrte an meinem Fesseln und versuchte um Hilfe zu rufen, doch niemand kam. Ein anderes Mal wurde einer alten Dame die Handtasche gestohlen. Vor meinen Augen rannte der Junge mit der Tasche davon. Und keiner kam der armen Frau zur Hilfe. Die anderen Wartenden schauten nur betreten zur Seite und sagten nichts. Gestern erst beobachtete ich, wie ein Mann vor seinen eigenen Kindern seiner Frau ins Gesicht schlug. Die anderen Passanten taten, als hätten sie nichts gesehen. Manche Menschen sind in ihren Handlungen von so viel Gewaltbereitschaft geprägt, dass sie keine Rücksicht mehr auf ihre Mitmenschen nehmen. Sie sind nicht in der Lage, sich mit Worten Luft zu machen. Und alle sehen einfach darüber hinweg... Aber ich bin doch nur ein Hund, der von seinem Herrchen hier vergessen wurde. Ich kann den Menschen nicht die Augen füreinander öffnen. Vielleicht werden sie irgendwann einen Weg finden, es selbst zu tun.





Grelles Neonlicht fällt auf den gefrorenen Asphalt. Im kleinen Laden an der Ecke gibt es heute ofenfrische Plätzchen. Der süße Duft nach Zimt und Karamell lockt die Kinder an. Mit großen Augen drücken sie sich ihre Nasen am kühlen Schaufenster platt. Ein pummeliger Weihnachtsmann hinter der Theke zwinkert ihnen freundlich zu. Nebenan verlässt eine alte Frau den Spielwahrenladen. Bestimmt hat sie Weihnachtsgeschenke für ihre Enkel eingekauft. Ihr Atem steigt in dampfenden Wölkchen in den eisblauen Himmel. Es ist schon wieder kälter geworden. Ein junges Pärchen schlendert langsam die Straße entlang. Leises Liebesgeflüster lässt die Augen blitzen. Sie hat ihre Handschuhe vergessen und wärmt ihre Hände nun in seiner Manteltasche. Der Schnee unter ihren Füßen knirscht leise. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird Glühwein verkauft. Es hat sich schon eine kleine Warteschlange am Stand gebildet. Eine rotwangige Frau hantiert geschäftig an einem großen Kessel herum. An der Wand lehnt ein junger Mann. In den Händen hält er die Tageszeitung. Auf dem Deckblatt steht in großen Buchstaben: Heute ofenfrische Plätzchen im kleinen Laden an der Ecke.




Übersehen

Sie spielte nervös mit ihrem Kaffeelöffel. Ob er kommen würde, wusste sie nicht. Seit mehreren Jahren hatten sie sich nun schon nicht mehr gesehen. Ob er sich sehr verändert hatte? Nun, der Krieg hatte wohl jeden verändert. Doch nun war alles vorbei. Der Feind hatte kapituliert. Das Land im Siegestaumel. Zum x-ten Mal sah sie auf die große Uhr über der Theke. Er war schon eine halbe Stunde zu spät. An diesem Tisch hatten sie sich damals geschworen, sich genau an dieser Stelle wiederzutreffen, sobald der Krieg vorbei sein würde. Am ersten Sonntag im April. Zur selben Zeit wie damals.
Draußen entflammten bereits die Straßenlaternen. Ihr Fuß wippte auf und ab. Würde er sich an das Versprechen von damals erinnern? Sie dachte an den tränenreichen Abschied, den letzen Kuss bevor er in den Zug gestiegen war. Die Angst, ihn vielleicht nie wieder zu sehen. Das letzte, woran sie sich erinnern konnte was seine Hand am Fenster des abfahrenden Zuges. Ihre Augen suchten die Straße ab. Nichts. Wieder sah sie zur Uhr. Eine Stunde. Sie senkte den Kopf und seufzte. Ein paar Minuten blieb sie noch still sitzen. Dann erhob sie sich, legte ein paar Münzen auf den Tisch und verließ das Café. Den Blinden, der sich an der Tür an ihr vorbeitastete, nahm sie nicht mehr wahr.



Halbschlaf

Irgendwo
nicht mehr Traum
noch nicht Realität
schwebe ich
durch den Nebel
aus Angst und Wunsch
zum Ende
oder an den Morgen eines neuen Tages



Altern

I
Eben noch warst du ein Kind,
lachtest über die Alten.
Nun schon entdeckst du die Falten,
merkst wie tief sie sind.

II
Es tickt der Zeiger der Zeit
in den Adern des Lebens,
Rhythmus des ewigen Strebens
nach Vollkommenheit.



Belohnung

Entspannt auf einer Wiese liegen,
sich in Glück und Ruhe wiegen,
die Zeit vergessen,
Kirschen essen.
Das wäre für mich ideal,
doch es scheint so irreal
wenn man sitzt und lernen muss
und merkt wie der Gedankenfluss
nach und nach versiegt
und man der Arbeit unterliegt.

Doch ist die Arbeit dann getan,
man getrost mal stolz sein kann
auf sich und sein Ergebnis
dann wird es zu Erlebnis,
das Glück, die Ruhe zu genießen,
Arbeit, Pflichten wegzuschließen,
sich zu entspannen, auszuruhn
und einfach einmal nichts zu tun.



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